Brief einer besorgten Anwohnerin

Brief einer besorgten Anwohnerin

Sehr geehrte Frau Weißler,

der Pressemitteilung Nr. 16/2020 vom 24.01.2020 entnehmen wir – Anwohner des Spreeufers und Mitglieder der Initiative „Rettet das Spreeufer” – dass Sie Schnittmaßnahmen am Spreeufer planen; ich beziehe mich insbesondere auf den Abschnitt Flotowstraße bis Hansabrücke.

Beim Lesen Ihrer Nachricht fällt bedauerlicherweise sofort ins Auge, dass ein Heckenschnitt nicht als eine in regelmäßigen Abständen notwendige ökologische, gärtnerische Arbeit erfolgen soll, sondern alleine begründet wird als „vorbereitende Maßnahmen zur Herstellung des Spreeradweges” bzw. „zum Erhalt bzw. Wiederherstellung der Verkehrssicherheit”.
Kein Wort zum Schutz und Erhalt der Natur, von Flora und Fauna.

Erneut zeigen Sie sich lediglich als Interessenvertreterin einer von uns Anwohnern sehr kritisch gesehen Rad – bzw. Verkehrspolitik entlang der Spree, was 2018 schon zu erheblicher Unruhe und einem Vertrauensverlust zwischen Vertretern der Politik und uns Bürgern führte. Unsere Einwände und unsere Betonung von Landschafts- und Naturschutz, von Klimaentwicklung und Bürgerfreundlichkeit dürften Ihnen bekannt sein.

Wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, dass die Hecke von der Flotowstraße bis zur Hansabrücke und weiter bis zur Lessingbrücke ein ganz besonderes, dringend schützenswertee Biotop darstellt. Wir haben hier eine hohe Vielfalt an Sträuchern und teils dicht gewachsenen Büschen. Früher ging dieser bunt durchmischte Bewuchs bis zum Wullenwebersteg, fiel dann aber 2018 leider teils unnötigen und nicht ausreichend durchdachten Abholzungsmaßnahmen des Bezirksamtes zum Opfer.

Dieses Areal von Sträuchern und Büschen gibt einer großen Vielfalt von Insekten, Vögeln, Kleintieren geschützten Raum zum Brüten, Nisten, Leben. Das stellt einen wichtigen Faktor dar für Natur-, Luft-, Tier- und Klimaschutz gerade in der Stadt. Und schenkt uns Anwohnern Lebensqualität und Freude.
Wir haben Spatzen, Amseln, Elstern, Eichelhäher, Ringeltauben, Kleiber, Stare, Rotkehlchen, Stieglitze, Blau- und Kohlmeisen, jedes Jahr mehrere Nachtigallen. Auf keinen Fall dürfen durch einen rabiaten Rückschnitt der Büsche und Sträucher, der nur die vermeintliche Verkehrssicherheit und fragwürdige Verkehrsplanung im Auge hat, kostbare Lebensräume für Flora und Fauna zerstört werden. Eigentlich unnötig zu sagen, dass damit auch der für Menschen nötige Lärm-, Sicht – und Staubschutz vernichtet wird.

Ich möchte Sie dringend bitten, Abstand zu nehmen von den geplanten Schnittarbeiten des Heckenabschnittes unter Ihren Prämissen. Abgesehen davon, dass es uns grundsätzlich um den Erhalt dieses in vielen Jahren entstandenen Öko-Raumes geht, muss leider auch bedacht werden, dass gerade solche eigentlich sensiblen Eingriffe sehr oft nur unzureichend, wenn überhaupt geschultem Personal überlassen wird. Die Wunden, die hier am Ufer 2018 unwiederbringlich geschlagen wurden, sprechen für sich.

Sehr geehrte Frau Weißler, ich danke Ihnen als unsere Stadträtin auch für Umwelt und Natur für Ihre Aufmerksamkeit und bitte Sie um Zeit und auch Mühe, sich mit uns, unseren Argumenten und auch unserem direkten Lebensraum auseinander zu setzen.

Mit freundlichen Grüßen

Eine Anwohnerin (Name wird nicht genannt)

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