Insektensterben auch in der Stadt?

Insektensterben auch in der Stadt?

Es nimmt mittlerweile beunruhigende Ausmaße an, wie allein in Deutschland, viele Insektenarten verschwinden. Auch die Gesamtmasse der Tiere hat sich laut Experten in den letzten Jahrzehnten alarmierend reduziert.

Wildbienchen
Foto Angela Schwarz

Dies ist auf dem Land, in erster Linie der extensiven Landwirtschaft in Rechnung zu stellen. Aber auch in der Stadt, wohin viele Tiere über Jahrzehnte, in denen ihre Lebensräume verschwanden, geflüchtet sind, reduzieren sich ihre Refugien zusehends

Der Schrei nach mehr Wohnraum für die steigenden Bevölkerungszahlen, und die daraus resultierende Bauwut, tun ihren Teil dazu. Dabei entstehen statt bezahlbarem Wohnraum, vielerorts Eigentumswohnungen, viele im Luxussegment angesiedelt, Büros und Hotels. Dafür wird Grün geopfert, dringend notwendiger Lebensraum für die Tiere. Groß und klein. Dafür werden die, neben den Grünflächenletzten Stadt-Oasen geopfert. Die Kleinanlagen, die in der Großstadt als gut funktionierende Biotope fungieren. Dort leben Fuchs und Dachs, Eichhörnchen, Fledermäuse, Kröten, Frösche, Teichmolche, Ringelnattern, Brandmäuse, Milane, und viele Vogelarten, die auf den freien Feldern, die landwirtschaftlich genutzt werden zum Teil gar nicht mehr anzutreffen sind.

Gartenrotschänzchen
Foto Angela Schwarz

Das ist nur eine kleine Auswahl, der Tiere, die dort noch zu beobachten sind. Natürlich gehören auch die Insekten dazu. Dort trifft man sie noch an. Immer mehr Kleingärtner säen und pflanzen bienen- und insektenfreundliche Blumen, Stauden und Sträucher. Haben Teiche, die Amphibien und Insekten, Raum geben, sich zu entwickeln und zu vermehren. Schaffen Brutmöglichkeiten für Vögel, Überwinterungsquartiere für Kleintiere wie Igel und Maus. Auch in den, in vergangenen Zeiten als „spießig“ verschrieenen Schrebergärten, hat ein Bewusstseinswandel stattgefunden. Und auch dort merkt man, dass die Insekten immer weniger werden. Viele andere Tiere dagegen erscheinen  immer häufiger, weil sie aus den Monokulturen auf dem Land in die Kleingartenkolonien flüchten. Dort fühlen sie sich wohl, findne sie, was sie zum Überleben benötigen.

Es ist sicher ein notwendiges Umdenken, dass die Stadt langfristig zu einer Fahrradstadt werden soll. Doch auch dabei sollten nicht dieselben Fehler begangen werden, wie sie so oft in der Vergangenheit gemacht wurden. Sind die Insekten, die Tiere erst einmal weg, ausgestorben, bringt sie nichts mehr zurück. Und es gibt viele Arten, die bestimmte Voraussetzungen zum Überleben benötigen, weil sie sich im Laufe der Evolution stark spezialisiert haben. Verschwinden ihre Futterpflanzen, ihre benötige Umgebung, verschwinden auch sie. Das beobachten wir im Moment gerade. Genau das geschieht in alarmierender Weise. Deshalb sollte uns jedes Stückchen Grün wertvoll sein, sollten wir sehr sorgfältig damit umgehen. Weil viel mehr an einem Baum, einem Busch oder Pflanze hängen kann, als uns im ersten Moment bewusst sein mag.

Paarungsrad der Libellen
Foto Angela Schwarz

Bedachte, sorgfältige Planung ist daher nötig, überall dort, wo in das Stadtgrün eingegriffen werden soll. Keine übereilten Aktionen, so wie sie auch bei den Baumfällungen am Spreeufer stattgefunden haben. Und die Menschen, die in dessen Umfeld leben, müssen einbezogen werden, denn sie wissen oft viel mehr über ihr Stückchen Grün, als irgendwelche fernen Planer, die nur zu irgendwelchen Messungen und Besichtigungen vorbeischauen. Es muss ein viel stärkeres Miteinander geben. Und die Prioritäten müssen sich ändern, bei der Freigabe von Brachland für neue Bauprojekte.

Wir Menschen können nicht allein auf diesem Planeten leben. Wir brauchen die Tiere, die Pflanzen. Unser Planet ist wie ein riesiges Puzzle. Wenn ein Teil herausfällt, sei es noch so klein, ist das Puzzle unvollständig. Fallen zu viele Teile heraus, ergibt es gar kein Bild mehr und letztlich wird das Teilegerüst zusammenbrechen. Daher müssen wir unser Bewusstsein auch für die kleinsten Bewohner dieses Planeten schärfen.

Mehr Informationen über verschiedene einheimische Insektenarten finden sich auf der Seite:

Insektengalerie

Einen Artikel vom 14. März 2019, über das Insektensterben, gibt es auf der Webseite der Süddeutschen Zeitung:.
„Wie das Summen zurückkehren kann“

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Außerdem auf GMX, vom 30.Oktober 2019 Studie: „Weitere Belege für Insektenschwund in Deutschland“

Angela Schwarz

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