Offener Brief an die Bezirksstadträtin

Offener Brief an die Bezirksstadträtin

Bürgerinitiative Spreeufer

c/o Jan Kawretzke / Christa Spannbauer
Flotowstr. 6
10555 Berlin

Herrn Staatssekretär Jens-Holger Kirchner
Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz des Landes Berlin
Am Köllnischen Park 3
10179 Berlin

E-Mail: StSV@senUVK.berlin.de

Frau Bezirksstadträtin Sabine Weißler
Bezirksamt Mitte von Berlin
Abteilung Weiterbildung, Kultur, Umwelt, Natur, Straßen und Grünflächen
Mathilde-Jacob-Platz 1
10551 Berlin

E-Mail: sabine.weissler@ba-mitte.berlin.de

 

Baumfällungs- und Planungsstopp zum Ausbau des Spreeradwegs
Beteiligung der Anwohner*innen

Sehr geehrter Herr Staatssekretär, sehr geehrte Frau Bezirksstadträtin,

nach der für uns überraschenden Fällung von sieben großen Bäumen am Dienstag, dem 9. Januar 2018, am Schleswiger Ufer sind wir sehr  besorgt um die künftige Entwicklung des Spreeuferweges, insbesondere im Bereich Schleswiger und Holsteiner Ufer.  Denn bereits im Laufe des vergangenen Jahres wurden ersatzlose Fällungen am Wullenwebersteg und an der Böschung vor dem  „Oasis“-Neubau nahe der Hansabrücke vorgenommen.

Zwölf weitere Bäume zwischen Wullenwebersteg und Hansabrücke sind mit gelben Punkten markiert. Wir befürchten, dass auch sie gefällt werden sollen und vermuten, dass dies  mit dem bislang kaum öffentlich diskutierten Ausbau des Spreeradweges zusammenhängt.  Wir haben gehört, dass dieser Weg auf 4 Metern Breite asphaltiert werden soll und vornehmlich überregionalen touristischen Zwecken dienen soll.

Wir befürchten, dass unsere Bedürfnisse als Anwohner*innen des Spreeufers bei der Planung und dem Bau dieses Radweges nicht berücksichtigt werden.

Deshalb fordern wir:

  1. dass die Baumfällungen sofort gestoppt werden
  2. dass die Planung des touristischen Spreeradwegs sofort gestoppt wird
  3. dass baldmöglichst eine Versammlung einberufen wird, die die Anwohner*innen mit den Verantwortlichen des Senats und des Bezirks zusammenbringt, um gemeinsam die weitere Beteiligung der Anwohner*innen an der nachhaltigen, gesundheitsfördernden und umweltfreundlichen Gestaltung der Spreeufer in einem regelhaften Prozess zu besprechen und zu organisieren. — Wir wünschen keine lediglich „Informationsveranstaltung“, auf der  man uns vollendete Tatsachen schönredet.

Begründung:

Für die Anwohner*innen ist der Uferstreifen mit Bäumen, Hecken und Wiesen  der fußläufig naheliegende Erholungsraum.  Hier gehen Großeltern mit ihren Enkeln spazieren, Jung und Alt trifft sich am Ufer, man liest, man spricht, man findet Ruhe vom Stress der Großstadt.   In unserer Gegend gibt es mehrere Seniorenheime; für deren Bewohner*innen wäre der Weg zum Großen Tiergarten als der dann nächstgelegenen Grünanlage unzumutbar.  Sie müssten erst die vielbefahrene Bachstraße und die Straße des 17. Juni überqueren.

Am Spreeufer liegt die Hansa-Grundschule.  Ihre 400 Schüler*innen und Lehrer*innen brauchen keine Fahrradrennbahn am Schulzaun, sondern  einen sicheren Schulweg.

Nach unserer Erfahrung beschleunigt sich das Radfahren, sobald ein Weg glatt asphaltiert ist,  und nicht wenige Radfahrer*innen neigen zur Eile ohne Rücksicht auf Fußgänger*innen.  Die seit einigen Jahren fahrerlaubnisfrei nutzbaren E-Bikes sind für Fußgänger*innen eine zusätzliche Gefahr.

Das Spreeufer am Hansaviertel gehört zu den 20 Hauptwegen Berlins, auf denen man wandern kann.  Das Flanieren hat den Vorrang, und das Grün darf sich nicht auf einzelne Bäume in einer ansonsten „Steinöde“ reduzieren.  Die Bäume sorgen für Entschleunigung, CO2-Abbau und Temperaturausgleich.

In der Umgebung der Flotowstraße sind mindesten drei große Baustellen aktiv — der Oasis-Neubau, das Studierendenwohnheim Siegmunds Hof und ein weiterer Neubau an der Ecke Siegmunds Hof/Bachstraße.  Wir sind in Baulärm gehüllt.  Eine gleichzeitige Baustelle am Ufer können wir aus gesundheitlichen Gründen nicht widerstandslos hinnehmen.

Unserer Ansicht nach hätten Senat und Bezirk von Beginn an die Interessen der Anwohner*innen bei den Planungen zum Ausbau des Spreeradwegs berücksichtigen müssen.

Es gibt genügend versiegelte Flächen in der Umgebung, über die man eine Radwegeverbindung in Ufernähe herstellen kann, ohne die Biotope am Ufer zu zerstören.  Wir haben Ideen dazu und möchten sie mit Ihnen besprechen.

Deshalb fordern wir die Einberufung einer Anwohner*innenversammlung, die von der Bürgerinitiative  moderiert wird. Wir wünschen uns, dass Sie dabei sein können und bitten Sie deshalb uns einen geeigneten Termin  Ende Februar/Anfang März 2018 für diese Veranstaltung vorzuschlagen.  Wir denken, dass die Versammlung im Rathaus Tiergarten stattfinden sollte.

Über Ihre positive Antwort würden wir uns freuen.  In jedem Fall erwarten wir Ihre schriftliche Antwort bis zum 15. Februar 2018.

Mit freundlichen Grüßen

Für die Bürgerinitiative Spreeufer

Dr. Richard Bland
Claudia von Braunmühl
Dr. Annemarie Wiegand
Susanne Eckert-Grunberg
Jan Kawretzke
Christa Spannbauer

 

 

 

 

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