Pressemitteilung vom 11.02.2022

Pressemitteilung vom 11.02.2022

Der Bau der Asphaltbahn am Schleswiger und Holsteiner Ufer mindert Lebensqualität, widerspricht den Umweltschutzvorhaben der neuen Koalition und verstößt gegen zugesagte Bürgerbeteiligung

Am Schleswiger und Holsteiner Ufer in der Nähe der S-Bahn-Stationen Tiergarten und Bellevue, sowie an weiteren Spreeufer-Abschnitten im Bezirk Mitte soll ein Flanier- und Wanderweg zu einer breiten Asphaltbahn für das touristische Großprojekt „Spreeradweg“ umgebaut werden.

Das Abgeordnetenhaus entschied 2018, dass auf dem geplanten Weg, der nun als „Spreeradweg“ bezeichnet wird, obwohl es sich um einen Fuß- und Radweg handelt, Fußgänger eindeutig Vorrang besitzen sollen. Wie aber soll das umgesetzt werden, wenn eine Asphaltbahn zum Schnellfahren einlädt?

Der Plan diesen Weg zu verbreitern und zu asphaltieren, ist veraltet, bevor der Bau beginnt. Ein breiter, asphaltierter Weg zum schnellen Radfahren ist eine Idee von gestern. In der Klimakrise müssen offene Flächen wie der heutige Uferweg erhalten werden. Das hat auch Senatorin Jarasch versprochen: „Wir müssen Berlin dem Klimawandel anpassen. Dazu wollen wir Flächen entsiegeln.“

Je enger die Stadt wird, desto dringender brauchen ihre Bewohner Erholungsräume, in denen kein Fahrverkehr herrscht, sondern Kinder herumtollen und auch alte Menschen entspannt flanieren können. Die grün-rote Zählgemeinschaft von Berlin-Mitte hat gerade erst versprochen: „Der Verkehr soll künftig aus Sicht der Zufußgehenden gedacht werden.“ Das angedrohte Asphaltband widerspricht diesem Vorhaben und bedeutet eine Herrschaft der Schnellfahrenden. Das ist Gentrifizierung im Grünen: Fitte, mittelalte Radfahrer und touristische E-Rollerfahrer erobern den Raum. Familien mit Kindern und Alte werden an den Rand gedrängt – zu Fuß, aber auch auf Kinderrollern und -rädern.

Anwohner/innen befürchten weiträumige Rodungen der über Jahrzehnte gewachsenen artenreichen  alten Sträucher, die Fällung mehrerer alter Bäume und die Entstehung eines weiteren sterilen Asphaltweges mit Grasstreifen an der Seite. Sie kritisieren, dass das Bezirksamt Mitte den Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses vom 22.02.2018  „Bürgerinitiativen und Anwohnerschaft sind im Vorfeld früh genug zu informieren und in die Planungen einzubeziehen.nicht berücksichtige.

Anwohnerin Christa Spannbauer sagt dazu: „Nicht nur ignoriert das Bezirksamt die in Bezug auf diesen Weg beschlossene Bürgerbeteiligung, es hat uns noch nicht einmal über den jetzt schon erfolgten Baubeginn informiert, obwohl uns dies 2018 ausdrücklich zugesagt wurde!

Die Bürgerinitiative Spreeufer fordert eine schmalere Wegebreite, um Sträucher und Bäume zu erhalten und statt der klimaschädlichen Asphaltierung eine wassergebundene Oberfläche. Das historische Kopfsteinpflaster am Holsteiner Ufer soll in seiner derzeitigen Form erhalten bleiben.

Wie viel Konfliktpotential eine breite Asphaltbahn mit sich bringen würde, zeigt beispielhaft der ebenfalls von den Radwegplänen bedrohte Uferweg vor der Hansa-Grundschule. Bisher können Kinder durch ein Tor unbesorgt auf den Uferweg gehen und nach Hause laufen. Mit freiem Rennen nach der Schule soll Schluss sein, verkündete das Bezirksamt Mitte schon 2018: „Zur Verdeutlichung des Konfliktpotentials sollen Schilder (VZ 136) auf die Schulkinder hinweisen und Umlaufsperren im Zugang die Kinder bremsen.“ Kinder sollen bremsen, damit E-Biker durchrasen können.

Die Fußgängerorganisation Fuss e.V. kritisiert: „Wird dieser Plan verwirklicht, ist das doppelter grün-roter Wortbruch. Hier muss vor Baubeginn nachgebessert werden. Erstens beim Material: Asphalt muss tabu sein. Er wird klimaschädlich aus Erdöl produziert, heizt im Sommer die Stadt auf und nimmt kein Regenwasser an. Zweitens muss der Weg anderes gelegt werden: Er soll zu Entspannung und Langsamkeit motivieren, nicht zum Schnellfahren. Dazu helfen kleine Schwenks, unebene und engere Stellen. Auf so einem Langsam-Weg können sich Menschen zu Fuß und auf dem Rad gut arrangieren.“

Christa Spannbauer für die Bürgerinitiative Spreeufer

www.rettet-das-spreeufer.de

 

Die Bürgerinitiative Spreeufer wird unterstützt von

Bündnis Natur statt Asphalt

FUSS e.V.

Grüne Radler Berlin

Grünzüge für Berlin

Naturfreunde Berlin

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